Halbzeitpause

5 02 2010

Es war fast wie beim ersten, beim Vorbereitungs-Seminar: Im Vorraus war ich äußerst skeptisch, was die Reise durch halb Indien bringen soll – und im Nachhinein bin ich doch recht glücklich mit dem Ergebnis.

Alles fing – wie so oft – mit ein paar kleineren Schwierigkeiten an. Nein, die 6 1/2 Stunden Verspätung unseres Zugs waren dann letztendlich nicht so schlimm. Man bekommt auch um 3 Uhr nachts noch ein Hotelzimmer. Die Dusche am nächsten Morgen nach einem Tag und 1 1/2 Nächten im Zug war dann aber besonders schön. Fürs Abenteuer hatten wir mit der über 30 stündigen Zugfahrt von Delhi nach Hyderabad schon gesorgt. Wobei das alles jetzt für deutsche Ohren so schlimm klingen mag, … eigentlich war die Fahrt recht entspannt und man hatte endlich mal viel Zeit zum Lesen und Faulenzen.

Die Schwierigkeiten waren damit aber nicht überwunden, noch waren wir ja nicht am Seminarort, einer Waldorfschule außerhalb (!) von Hyderabad, angekommen.

“Wo fährt dieser Bus?”, “Dort drüben, … okay”, “Ja, Nr. 127, …”, “Ach, dort vielleicht, … nagut”, “Hier? Und wir können auch die 128 nehmen?”, “Fahren Sie zum Apperel Park? Nein?”, “…”, “..?!?”

Glücklicherweise hat uns dann auf dem Weg zur richtigen Bushaltestelle eine andere Freiwillige im Auto aufgesammelt. Soviel zum Drumherum, zu dem auch das anschließende Wochenende in Hyderabad gehört. Noch mit vielen Freiwilligen in der Großstadt – war eine schöne Sache.

Jetzt aber endlich zum eigentlichen Thema, dem Zwischenseminar:

18 Freiwillige; 3 Begleiter; eine ruhige Waldorfschule; Zeit nachzudenken; viel Programm; tolle Gruppe; Unterhaltungen; persoenliche Erfahrungen; Probleme & Problemloesungen; Einblicke in andere Projekte; Reflektion ueber indische Kultur; Reflektion ueber mich; Neue – nein, gefestigtere Ziele; Offenere Augen?, …

Wir waren definitiv eine tolle Gruppe und mit das schönste war über die ganz unterschiedlichen Projekte zu hören. Eigentlich alle sind höchst zufrieden in Indien. Zusammen mit den drei deutschen Leiter konnten wir unsere Themen bestimmen. Diese reichten von einem persönlichen Rückblick über kulturelle Unterschiede und Probleme bis zur Diskussion über die eigene Rolle als Freiwilliger und den praktischen Austausch von Spielen.

Wertvoll war die Woche vor allem weil sie Zeit und Anlass gab zurückzublicken und sich selbst einzuordnen – Dinge die im Alltagsleben eben oft zu kurz kommen. Was ich gelernt habe? Ich kann es gar nicht genau sagen, aber ich bin bereit für die zweite Hälfte, für weitere 6 Monate Indien und HELGO North Point!





Website wieder online

5 02 2010

Wie mancher vielleicht gemerkt hat, war weltwaerts-kolkata.de die letzten Tage nicht erreichbar. Es gab einige Probleme mit dem Webhosting, die Daten sind aber mitlerweile in Sicherheit und auch schon auf das neue System übertragen. Das Blog wird ab sofort unter WordPress laufen.

Leider ist der Newsletter-Verteiler verloren gegangen. Bitte tragt euch für automatische Updates hier in der Sidebar neu ein!

“Echte Neuigkeiten” sind in Arbeit, …





Auf ein Neues!

1 01 2010

Ein gutes neues Jahr euch allen!
Auf das uns das neue Jahrzehnt viele neue, wichtige Erfahrungen bringt, …
Im Moment herrscht leider ein bisschen Sendepause, da ich auf Reisen mit meinen Eltern bin. Anschliessend geht es auf’s Zwischenseminar von Weltwaerts hier in Indien. Ich melde mich allen Neuigkeiten wieder gegen Mitte/Ende Januar.





Mit Selbstverwirklichung in eine gerechte Welt?

18 12 2009

“Weltwärts” ist in der Kritik. Nur ein Abenteuerurlaub für die privilegierten Kinder eines reichen Landes soll es sein. Was haben die Entwicklungsländer davon? Doch es ist nicht so, dass Freiwillige und Träger sich über dieses Thema keine Gedanken machen. Und dass dieses Programm nichts entwickeln würde, …
In einer Meldung des epd kritisiert Entwicklungspolitik-Expertin Claudia von Braunmühl des Programm. Es sei nicht an den Bedürfnissen der Entwicklungsländer orientiert und belaste die Projekte, die sich um Freiwillige kümmern müssen eher noch. Sie meint: “Es ist eine schöne Erfahrung für Jugendliche, aber nennen sie es bitte nicht Entwicklungspolitik”.
Das ist nicht das erste Mal, dass das “Weltwärts”-Programm des BMZ kritisiert wird. Die Süddeutsche Zeitung titelte schon 2008 “Egotrip ins Elend” In der Tat wird diese Problematik mit Freiwilligen auf den Vorbereitungsseminaren kritisch diskutiert. Uns wurden quasi schon vor der Ausreise alle “Illusionen” was wir so erreichen könnten ausgetrieben. Worüber auch schon andere Freiwillige berichtet haben.
Es stimmt sicherlich, dass bei diesem Dienst mehr nach Deutschland “zurückfließt” als bei anderen Maßnahmen der Entwicklungspolitik. (Ob das den Entwicklungsländer unbedingt schaden muss?) Ausländische Freiwillige müssen erst mit viel Aufwand eingeführt werden und – auch wenn ich meine Aufgaben hier als sehr erfüllend und sinnvoll erlebe – die jungen Erwachsenen können sicher nicht immer grundlegend helfen. Trotzdem erklären sich viele Projekte bereit Freiwillige zu beschäftigen, es kann also nicht ganz so schlimm sein, oder?
Uns Freiwilligen ist bei der Vorbereitung durchaus klar geworden, dass wir unmittelbar vermutlich am meisten von diesem Dienst profitieren und lernen.
Entwicklungshilfe ist out, heutzutage heißt es Entwicklungszusammenarbeit. Expertin Braunmühl kritisiert, dass Entwicklungspolitik sich an den Bedürfnissen der Entwicklungsländer orientieren sollte. Aber dafür ist ein sehr grundlegendes Verständnis der Situation, sowie die Fähigkeit der Kommunikation mit Menschen anderer Kulturkreise nötig. Dinge, die sich mit viel Glück vielleicht in einem Ordner des Entwicklungsministeriums finden. Aber um eine gerechte Welt zu schaffen müssten diese Dinge doch in das Bewusstsein jedes Menschen dringen. Vor allem schafft Weltwärts dieses Bewusstsein für das Leben in einem Entwicklungsland, für die Freiwilligen und auch ein wenig für all diejenigen, die deren Berichte und Erlebnisse verfolgen. Ob es zukünftige Entwicklungshelfer, Manager, Lehrer oder Ingenieure sind. Mit dem Weltwärts-Programm wird der kommenden Generation ermöglicht hautnah zu erfahren, wie Hilfe vor Ort betrieben wird und wie Menschen mit Armut und anderen Schwierigkeiten leben. Glaubt mir, das wird nicht an uns vorbeigehen ohne Spuren zu hinterlassen! Es mag Zeit brauchen, bis sich unsere Erfahrungen, die Erfahrungen der Freiwilligen, bemerkbar machen. Es mag unklar sein, wie viel wir verändern können. Rund 6.000 Jugendliche hat das Programm schon verändert – zeigt doch ein bisschen Offenheit und Geduld, wenn es um so etwas großes wie “Entwicklung” gehen soll.





Weihnachtliche Geschenke

17 12 2009

Ich hasse es eigentlich, “betteln zu gehen”. Es ist ganz allein eure Sache, was mit eurem Geld passiert. Ich kann mir nicht helfen – trotz all der Not finde ich die aufdringlichen Bettler lästig.
Trotzdem, Weihnachten ist für viele die Zeit zu geben und so wäre es sträflich, euch nicht wenigstens die Information – und damit die Möglichkeit – zu geben, wie “mein” Projekt unterstützt werden kann.
Ich kann mit guten Gewissen behaupten, dass die Gelder hier ankommen. Es mag viele Probleme hier geben, aber hier wird ehrlich und hart an all dem gearbeitet.

Spenden überweisen Sie bitte auf das hier angegebene Konto mit dem

Stichwort “Spende für H.E.L.G.O. e.V.”
Bankverbindung: Commerzbank Hamburg,
BLZ 200 400 00,
Kto.-Nr. 4780 888.

Auf Wunsch erhalten Sie selbstverständlich eine Spenden-bescheinigung für Ihr Finanzamt. Bitte schreiben Sie Ihre Anschrift auf der Überweisung in das Feld “Verwendungszweck”.
Alle Spenden gehen zu 100% nach Kalkutta in die Projektarbeit hier. Details gibt es auf der Homepage von H.E.L.G.O. e.V.


In diesem Sinne haben wir auch hier im Hostel ein bisschen Weihnachtsstimmung mit unserem Adventskalender: Jeden Tag wird ein Junge ausgelost, um eines der Geschenke von der Leine zu schneiden. Jeden Nachmittag ist mächtig was los, wer den heute wohl das Glück hat. Eine ganze Ladung Kuscheltiere aus Deutschland wird so ihrer neuen Bestimmung zugeführt. Zusammen mit ein paar Luftballons und Schoko-Bonbons macht dies jeden Tag ein kleines Weihnachtsgeschenk.





Aller Tage Alltag

5 12 2009

Aller Tage? Das zu behaupten wäre ein bisschen verwegen – das Außergewöhnliche ist in diesem Projekt, dieser Stadt, vielleicht in diesem Land ganz normal. Trotzdem ist es höchste Zeit ein wenig von meinem “normalen” Tagesablauf zu berichten.

6:52 lese ich auf meinem Handy, das mich zum wiederholten Mal aus dem Halbschlaf reisst. Meinen Schlaf zu stören ist etwas, das der Muezzin um vier Uhr morgens allerdings nicht mehr schafft. Die Müdigkeit wird in ein paar Minuten unter der Dusche verschwinden – warmes Wasser haben wir hier nicht, was sich spätestens seit ein paar Wochen eher unangenehm bemerkbar macht.

Poli Didis “Good Morning” – das einzige Englisch, das sie kann – wird wie immer von einem Lächeln begleitet bevor die Köchin mir mein Frühstück auf den Teller lädt. Hat man sich einmal an den Gedanken Gemüse zum Frühstück zu essen gewöhnt, schmecken die Kichererbsen-Kartoffeln mit dem Fladenbrot heute wirklich lecker.

Während ich noch meinen Teller abwasche, zieht eine lange Schlange von Hostelkindern an mir vorbei zur Schule. Ich werde es auch heute wieder einmal nicht rechtzeitig zum Beginn der Coachingstunde ins Liluah Center schaffen.

“Good morning, brother”, tönt es, als ich dann endlich das Klassenzimmer betrete und alle Kinder stehen auf, um mich respektvoll zu begrüßen. Mit meinen begrenzten Hindi-Kenntnissen bringe ich die Kinder schnell wieder dazu, sich zu setzten – das letzte was ich will ist schließlich den Unterricht zu stören. Meine Möglichkeiten dem Lehrer zu helfen sind sehr begrenzt. Mal bemühe ich mich mit einigen Schülern einen englischen Text zu lesen, mal kontrolliere ich Aufgaben in den Heften. Und sollten tatsächlich mal alle Schüler irgendwie beschäftigt sein, lassen sich mit dem Lehrer die Urlaubspläne erörtern. Meine Lehrer-Karriere ist vielleicht nicht sonderlich erfolgreich, aber dafür habe ich mit mehr als einem Lehrer ein so gutes Verhältnis, dass mir allerlei Gerüchte, Ideen und Probleme zu Ohren kommen. So habe ich einen sehr guten Überblick von mehr als nur einem Standpunkt aus.

Nach dem Unterricht trinke ich noch einen Tee mit Sanoj, dem Lehrer, während ich auf den Sozialarbeiter warte. Zusammen gehen wir dann auf “Homevisit”, einige Familien besuchen. Hier bin ich natürlich mehr Beobachter, aber mitlerweile verstehe ich manchmal auch Bruchstücke der Unterhaltung (soweit sie denn auf Hindi und nicht auf Bengali geführt wird). Bereitwillig übersetzt mir der Sozialarbeiter Silvester auch einige Dinge. Das meiste sind Routinebesuche: Was gibt es Neues? Geht das Kind regelmäßig zu Coaching, Mittagessen und Schule? Hat die Familie irgendwelche Probleme?

Einen Problemfall arbeiten wir heute aber auch ab – es ist nicht das erste Mal, dass ein Sozialarbeiter hier einen Extrabesuch abstatten muss. Der Junge kommt mal für eine Woche zum Coaching, dann wieder lange nicht, die Mutter scheint etwas hilflos. Nach langem Gerede bitten wir die Mutter, ihren Sohn erstmal persönlich zum Unterricht zu bringen und drohen die Streichung der Lebensmittel-Rationen an. Viele solche Fälle sind es nicht, aber manche sind schwierig – auf Dauer wird ein fauler und/oder unzuverlässiger Schüler das Projekt verlassen müssen – es gibt genügend andere, die seinen Platz vielleicht besser zu nutzen wissen.

Ein wenig erschöpft von all den mir unverständlichen Diskussionen mache ich mich mit dem Fahrrad auf den Heimweg nach Tikiapara. Bevor ich mich auf das Mittagessen stürzen kann, muss ich mich aber noch ein paar Minuten gedulden. Erst nachdem die ersten Kinder fertig sind, gibt es wieder unbenutzte Teller.

Mein Nachmittag gestaltet sich etwas freier, nach der Mittagspause gibt es nachmittags um 15.30 Uhr ein weiteres Coaching, in dem ich manchmal mit einigen Hostelboys arbeite. Danach steht dann drei Mal die Woche der Trip in den nahe gelegenen Belilious Park an. Endlich Zeit Kricket zu spielen oder sich einfach mal auszutoben – für die Hostelboys … und für mich auch ;-)

Nach dem Abendessen um sieben ist um 20.00 Uhr offiziell Schlafenszeit für die Hostelboys. Nach einer kleinen Unterhaltung mit Asgar, dem Hostelvater, gehe ich dann auch in mein Zimmer. Jetzt wäre vielleicht Zeit noch einen Blogeintrag zu schreiben, … wenn mir doch nur die Augen nicht ständig zu fallen würden.





Großes Kino

26 11 2009

Es sind die kleinen Geschichten und Konflikte, die den abwechslungsreichen Alltag ausmachen und die Kinder noch besser kennenlernen lassen. Und so wird der “Streit” um einen Film am Sonntag Nachmittag zu einer ganz interessanten Erfahrung.

Da wir uns bei HELGO North Point im Besitz eines Beamers befinden, hat sich der Sonntag ein bisschen zum Kino-Tag im Hostel entwickelt. Es ist auch durchaus nachvollziehbar, dass die Jungs ein wenig gelangweilt sind, wenn sie den ganzen Sonntag in den zwei Räumen verbringen müssen. So ein Film hat viele Vorteile – Die Kinder sind für ein paar Stunden ruhig und beschäftigt und obendrein auch noch zufrieden. Und auch wenn mancher Bollywoodfilm ein wenig langatmig ist – auch ich genieße diese Sonntag Nachmittage.Der Schuss geht nur nach hinten los, wenn man die Anspruchshaltung der Kids nicht mehr erfüllt.

In der Schule stehen gerade viele Examen an. Mancher Verantwortliche meint da, es ist keine Zeit mehr für einen Film am langen Sonntag. Wir haben uns für einen Kompromiss entschieden: Film ja, aber ein Tierfilm. Der ist ein wenig kürzer und außerdem waren die Bolly- und Hollywood-Streifen nicht immer hundertprozentig für unsere kleinen Jungs gemacht. Die Dokumentation war allerdings leider auch nicht passend, zu viele Interviews, die die Kinder auf Englisch natürlich nicht verstehen. Ein bisschen unglücklich war die Wahl zugegeben schon.

Schon bald werden dezent Wünsche nach einem anderen Film laut. Ich habe jetzt allerdings keine Lust den Tierfilm, der zudem gerade erst angefangen hat, schon wieder aufzugeben und außerdem muss ich ja wohl nicht ständig alle Wünsche erfüllen, oder?

Langsam leert sich unser kleiner Kinosaal obwohl der Film noch lange nicht zu Ende ist. Nach der ersten Enttäuschung darüber, ist es eigentlich sehr interessant und unterhaltsam die Reaktionen zu beobachten. Ein paar Kids sitzen immer noch da und schauen zu – es sind nicht unbedingt diejenigen, die ich erwartet hätte. Die meisten haben sich aber in die anderen Räume verzogen. Einige sind gar so dreist und versuchen die Letzten dazu zu bewegen auch zu gehen.

Der Film ist mit zu Ende, zwei Kinder haben so lange durchgehalten. Jetzt sitzen alle gelangweilt rum, keiner hat Interesse irgendwas zu spielen. So richtig verstehe ich die Situation nicht.

Eine ganze Gruppe Kinder folgt mir in mein Zimmer. Als William aber ein bisschen zu fröhlich tanzt, werden ein paar Worte in Hindi an ihn gerichtet. Überhaupt wird ziemlich viel auf Hindi gescherzt, wovon ich leider so gut wie nichts verstehe. Mir kommt der Gedanke auf, dass hier vielleicht auf meine Kosten gelacht wird.

Ich diskutiere ein bisschen mit Simon und er sorgt schließlich dafür, dass es doch noch eine würdige Belohnung, einen Bollywoodfilm, gibt. Das Versprechen für einen “Film” war ja gegeben. Ich halte mich beim zweiten Anlauf sehr zurück. Vielleicht bin ich doch ein wenig eingeschnappt? Simon übernimmt die Sache jetzt jedenfalls und er lässt auch klarstellen, dass ein Film keine Selbstverständlichkeit ist. Ich habe es mir gerade in meinem Zimmer bequem gemacht, als zwei oder drei Jungs schon deutlich ausgelassener ankommen und mir sehr ernst ein “Sorry brother” (manchmal auch ein “Solly biadda”) anbieten. Ein bisschen überrascht bin ich schon, aber bevor ich länger darüber nachdenken kann, kommen die nächsten Hostelboys und entschuldigen sich. Erst jetzt wird mir eigentlich so richtig klar, das alle wohl ziemlich beleidigt waren. Der neue Film kommt jedenfalls gut an und ob es den Examen schadet? Ich glaube nicht daran.





HELGO im Rampenlicht – Fernsehdokumentation

14 11 2009

HELGO North Point im ZDF
“Lasst uns nicht allein – Hilfe für die Kinder von Kalkutta”

UPDATE:
Die Sendung ist gelaufen, für alle die sie doch verpasst habe sollten ist sie auch Online verfügbar!

Und exklusiv dazu hier im Blog: Das “Making-Of”, ein Rückblick auf die einwöchigen Dreharbeiten, …

Manchmal sind die Dinge hier in Indien etwas komplizierter. Oder zumindest anders. Um Aufnahmen zu machen, wurde zunächst die Genehmigung von oberster Polizeistelle beantragt. Nicht etwa dass wir Sorge um unsere Sicherheit gehabt hätten, aber die Rückendeckung des Superintendent of Police ist trotzdem wertvoll. Eine solche Genehmigung löst potenzielle Schwierigkeiten mit den Gesetzeshütern. Für den Besuch auf dem Müllberg hatten wir dann tatsächlich ein paar Beamte eingeladen. Vor allem um diese Beziehung zu pflegen. Allerdings kamen diese zu spät oder zu einem anderen Treffpunkt, jedenfalls ging auch hier ohne Polizeischutz alles glatt.
Um Genehmigungen und hilfreiche Freunde zu bekommen hatten wir kompetente Unterstützung. Eine indische Freundin mit guten Kontakten bis in die Führungsetagen und viel Erfahrung in solcherlei Gesprächen kann viel weiterhelfen. Trotz allem war es aussichtslos in kurzer Zeit eine Drehgenehmigung für die Howrah Bridge zu bekommen – die Angst vor Terroranschlägen lässt grüßen. Das Teetrinken mit der Führungsriege war aber nur das Vorspiel, das dann reibungslose Dreharbeiten ermöglicht hat.

Die Dokumentation ist quasi eine deutsch-indische Produktion – neben zwei Deutschen – dem Produzenten und einer “lady cameraman” – bestand das Team auch aus zwei indischen Mitarbeitern für Ton und Kamera.
Interessant waren vor allem Details der Filmarbeit, die zu beobachten waren. So wird beispielsweise eine “Geschichte”, der Alltag eines Kindes, erzählt und nicht nur einzelne Szenen gezeigt. Was alles beachtet wird ist eigentlich nachvollziehbar, aber doch überraschend. Jumrata wurde als “Filmstar” ausgemustert, da sein blindes Auge den Zuschauer ablenkt.
Und das die Bilder nicht alle ganz authentisch sind liegt in der Natur der Sache. Man kann aber doch ins Schmutzeln kommen, wenn ein Fabrikbesitzer beim Vorgespräch versichert: “Ich sorge dafür, dass am Drehtag auch ein Kinderarbeiter hier ist”. Nichts desto trotz sind diese Bilder real, vielleicht nicht in dieser Schmiede, aber dann in der nächsten, nur 10 Meter weiter …
Dass der sich verhaspelnde ehemalige Projektjunge unseren Regisseur schier zur Verzweiflung treibt, kann den Unbeteiligten auch belustigen. Aber ansonsten wurden die Regie-Anweisungen brav befolgt und auch die Lehrer passen ihren Unterricht den deutschen Vorstellungen ein wenig an. Die Privatschule hatte sowieso schon ihre beste Lehrerin für das Shooting abgestellt. Manchmal hatte ich das Gefühl, hier werden lediglich noch Bilder aufgenommen, die Geschichte wurde schon in Deutschland geschrieben. Nicht immer wollten die indischen Bilder hundertprozentig ins deutsche Konzept passen. Trotzdem glaube ich, dass der Film die Organisation ziemlich gut eingefangen hat.





Kleines Update

12 11 2009

Seit dem letzten Eintrag ist schon weit über ein Monat vergangen. Die letzten Wochen waren aber keineswegs ereignisslos, im Gegenteil: Hier ist soviel passiert, dass es schlicht keine Zeit gab davon zu berichten!

Gestern hat sich Helgo, Gründer der Organisation und nach wie vor Impulsgeber, wieder auf den Heimweg gemacht. Vier arbeitsreiche Wochen, unzählbare (und unbezahlbare) Erfahrungen, neue Ideen und auch einige Ergebnisse liegen hinter uns. Die nächsten Tage und Wochen werde ich versuchen, all das aufzuarbeiten und in eine präsentierbare Form zu bringen.
Ich habe meine Leser nicht vergessen – freut euch auf spannende Berichte in nächster Zeit.

PS.
Drei Monate, ein viertel meiner Zeit hier in Indien, sind nun schon vorbei. Zeit ganz offiziell einen Zwischenbericht zu schreiben. Für alle interessierten gibt es ihn hier zum Download (.doc).





Durga Puja

30 09 2009

Durga Puja: Eine Feier zu Ehren der Göttin Durga, kriegerisch schützende Mutter, die auf einem Löwen reitet. Für das mehrtägige Fest werden extra kunstvolle Tempel aufgebaut und Statuen der Göttin und ihrer Kinder angefertig, die anschließend im Fluss versenkt werden. Neben dem religiösen Aspekt ist es aber auch ein Volksfest, bei dem diese Kunstwerke nicht nur von den Hindus bewundert werden und ausgelassen gefeiert wird.

Wir sind keine Touristen (mehr) in Kolkata. Für das größte hinduistische Fest hier nahm sich Dr. Razzaque uns an. Einen Abend durften wir mit ihm – und seiner kompletten Familie, seinen Söhnen sowie deren Frauen und Kinder – durch die Stadt touren. Mit zwei großen, schon ziemlich voll geladenen Autos wurden wir am Abend abgeholt. Als erstes ging es in ein Restaurant, wo wir einige neue Köstlichkeiten der indischen Küche ausprobieren konnten. Auf dem Weg konnten wir schon viele bunte Lichterketten und besondere Straßenbeleuchtungen bewundern, das Ganze erinnert ein bisschen an Weihnachten bei uns. Dann klapperten wir eine Reihe großer “Tempel” ab. Diese Gebäude, extra für die wenigen Tage der Durga Puja aufgebaut, sind trotzdem äußerst beeindruckende, kunstvolle Gebilde. Innen sind – immer in gleicher Anordnung – Statuen von Durga im Kampf mit einem Dämonen, sowie neben ihr ihre vier Söhne und Töchter zu sehen. An manchen dieser Tempel muss man wohl über eine Stunde anstehen, um ins Innere zu gelangen, wo viele Inder ein kurzes Gebet zur Göttin sprechen und mindestens genauso viele nur Fotos von den Statuen machen. Diese überlaufenen Tempel haben wir ausgespart, aber es gab noch genügend zu sehen, die Statuen unterscheiden sich auch in ihrer kräftigen Bemalung kaum, die Gebäude haben jedoch immer ihren eigenen Stil und sind mindestens so beeindruckend wie die Statuen. Unglaublich was für ein (finanzieller) Aufwand für diese eine Woche betrieben wird! Bereits der relativ kleine Tempel in unserer Straße hat angeblich 140 000 Rupien (ca. 20 000 Euro) gekostet, der ein oder andere hat da gar schon Zweifel angemeldet, wie viel sinnvoll er man das Geld doch einsetzen könnte. Die Durga Puja als Großereignis ist aber sicher eine wichtige Abwechslung.

Hinter so manchem Tempel kann dann weiter gefeiert werden, einige Zeit haben wir auf dem Jahrmarkt verbrac ht, Limo getrunken und die Kinder von Parvez und Anwar waren natürlich ganz begeistert die kleine Achterbahn zu fahren. Imbiss-Stände finden sich überall und oft ist auch auf einer Bühne oder mit Musik zusätzlich für Unterhaltung gesorgt.

Den Abschluss des Festes bildet die kleinen Prozessionen, während denen die Statuen an den Hooghly Fluss gebracht werden. Dort werden sie in den Fluss geworfen. Bevor das geschieht werden sie noch mehrmals im Kreis gedreht (was bestimmt mit irgendeinem religiösen Hintergrund zu tun hat). Trommelmusik und so mancher ausgelassene Tanz begleiten die Sache und viele Menschen sind rot bemalt (was sicher auch einen religiösen Hintergrund hat). So wirkt alles ein bisschen exotisch, aber das Feiern braucht keine Sprache und die festliche Stimmung war auch für mich spür- und genießbar.

Mehr Bilder:

Durga Puja